Regionalwettbewerb Jugend debattiert 2026 zu Gast in Finowfurt

Die Schule Finowfurt war nach 2023 in diesem Jahr erneut Gastgeber für den Regionalwettbewerb Jugend debattiert. Am Mittwoch, dem 18. Februar 2026, stritten 24 Jugendliche in zwei Altersgruppen um den Einzug ins Landesfinale. Die Debatten der Vorrunden fanden zeitgleich in sechs Räumen statt, die finalen Debatten nach dem Mittag in der Aula.

„Man gibt sein Bestes“, sagt Jakob noch vor der Eröffnung, „aber wenn’s nicht sein soll …“ Drei Punkte lassen alles (h)offen. Es ist seine zweite Teilnahme an einem Regionalwettbewerb, die erste war noch in der AG 1, „bei den Kleinen“, wie sie hier sagen. Wie Jakob kommt auch Viktoria vom Christa-und-Peter-Scherpf-Gymnasium Prenzlau. Sie möchte sich „gegenüber dem letzten Mal verbessern.“ Da war sie „nur“ als Zuschauerin zum Landesfinale gefahren, dieses Jahr möchte sie vorne stehen. Ihrer Analyse nach sind die Themen in diesem Jahr „so naja“. Wie? „So dass man viel draus machen kann, wenn man es richtig macht.“ In der ersten Runde werden die beiden gegeneinander antreten (sie pro, er contra), aber das wissen sie jetzt noch nicht.

Zwar, die Teilnehmer kennen die Themen seit zehn Tagen. Aber ob sie dafür sind oder dagegen, und gegen wen es geht, das erfahren sie erst nach der Eröffnung. Die Regionalkoordiatorin Katrin Sander wird erst noch die Schule Finowfurt loben für das superproblemlose Einspringen. Und die Gastgeberin, Direktorin Anja Gehrke-Witthuhn, wird erst noch die Jugendlichen loben „für den Mut, respektvoll miteinander zu streiten und auch andere Perspektiven gelten zu lassen.“ Die Cafeteria wird mit den Händen applaudieren, während über allen Köpfen nur eine Frage steht: Bin ich dafür oder bin ich dagegen? Hirnforscher sagen, dass unsere Entscheidungen schon feststehen, bevor wir sie fällen; irgendwas mit lateinischem Namen soll verantwortlich sein. Heute entscheidet hier das Los.

Für Eric Tegge, der Jakob und Viktoria begleitet, ist gerade das das Wichtigste an Jugend debattiert: „sich mit einer Rolle auseinanderzusetzen, die nicht unbedingt der eigenen Meinung entspricht. Die Algorithmen verstärken ja nur, was man ohnehin meint.“ Malte Beisenherz vom Runge-Gymnasium nennt das, was die Jugendlich hier zeigen können, „gedankliche Pirouetten. Es ist eine tolle geistige Übung, mit Empathie auch als Anwalt der anderen auftreten zu können.“ Dann falllen die Lose und es kommt genau so: Zoey aus Finowfurt hätte lieber die Contra-Position vertreten. Nun muss sie für freies WLAN an öffentlichen Plätzen sein, na toll. Zwanzig Minuten bleiben ihr für die Vorbereitung.

Zweite von rechts: Lotti auf C1 ist dagegen.

Danach startet auch Lotti, die Siegerin des Finowfurter Schulwettbewerbs, in die Debatte. In diesem „Dauerbrenner der Digitalpolitik“ ist sie gegen freies WLAN. Wie bitte? Ach ja, das Los hat so entschieden und nun muss Lotti im gedanklichen Kampf gegen (!) digitale Teilhabe mehr Rittberger und Salchows springen als Alysa Liu für ihren Olympiasieg. „Eine lebendige Debatte“ habe sie gesehen, lobt die Juryvorsitzende Norma Gertz von der Regine-Hildebrandt-Gesamtschule die vier Debattanten mit vornehmem Understatement. Eine Rangfolge oder Punktzahl erfahren die vier nicht. Ob es gereicht hat für Lotti? Für Zoey?

„Nee“, sagt Zoey, die jetzt aus dem Raum gegenüber kommt, „aber die nächste Debatte, da rasier’ ich.“ Sehr passend zu diesem Vorsatz geht es um unsere behaarten Freunde, die Haustiere – und ihre Krankenversicherung: Soll sie Pflicht werden? Das Los verpflichtet Zoey, dagegen zu sein. Und so führt sie an, dass ein Unternehmen Hunde aktuell nur bis zu einem Alter von 8 Jahren krankenversichert. „Aber gerade danach, wenn die Hunde älter werden, ist eine Versicherung ja wichtig.“ Ein Vierfach-Lutz, gestanden! Doch die Pro-Seite will die Quelle wissen. Die Quelle. Bye-bye Eiskunstlauf, hello Eishockey.

Dagegen! Zoey als zweite von rechts auf der Postition C1.

Am Ende der Vorrunde hat es nicht gereicht für Lotti und Zoey. Den Ertrag ihrer Teilnahme ernten im nächsten die Jahr die nächsten Teilnehmerinnen. Sie haben dieses Jahr im Publikum gesessen und aufmerksam verfolgt, wie man sich auf dem Eis der Debatte bewegt. Klingt gut, oder? Aber nicht für Emilia: „Ich bin trotzdem aufgeregt wegen nächstem Jahr, weil … Da muss ich debattieren und nicht nur zugucken und lächeln.“

Ohne es zu wissen, saßen Lotti und Zoey mit der späteren Siegerin in ihren Debatten: Merle vom Christa-und-Peter-Scherpf-Gymnasium gewann bei den sogenannten Kleinen. In beide Debatten war sie mit einem szenischen Einstieg gestartet: Stellen Sie sich vor, Ihre Katze humpelt! Die Altersgruppe 2 entschied ihr Schulkamerad Jakob für sich: Es sollte also doch sein! Gratulation und Glück auf den Weg den beiden für das Potsdamer Landesfinale am 23. März 2026.

Im Publikum werden dann auch Lotti und Zoey sitzen. Ihr Lehrer und AG-Leiter Bastian Maschmeier lobt sie: „Dass Lotti und Zoey mitgemacht haben und gegen Schülerinnen und Schüler von verschiedenen Gymnasien angetreten sind, freut uns sehr. Dafür, dass Zoey noch gar nicht so lange bei Jugend debattiert ist, hat sie ihre Sache sehr gut gemacht. Und Lotti fehlen in beiden Debatten jeweils 5 Punkte, um auch ins Finale einziehen zu können. Das ist in Anbetracht der Umstände ein schöner Erfolg für sie!“

Bastian Maschmeier nutzt die Gelegenheit, sich bei allen zu bedanken, die hinter dem „problemlosen Einspringen“ der Schule Finowfurt standen: „Von den Jahrgängen 7 bis 10, die auf Wandertag waren, über die Sekretärin, die die anwesenden Lehrer versorgte, und die Mitarbeiterin der Küche, ohne die das Catering der 10a nicht möglich gewesen wäre. Es war eine echte Teamleistung.“