Sommer-Interview mit der Schule Finowfurt

Website: Seit letzten Mittwoch sind Ferien. Da sind Sie doch froh als Schule, oder?
Schule Finowfurt: Es sind ja nicht meine ersten Ferien. Ich stehe hier seit 50 Jahren. Ich habe schon ein paar Ferien erlebt. Die waren früher übrigens auch länger.
Aber Sie freuen sich über die Ruhe, nicht wahr.
Ja, ich meine, es geht ja sonst halb acht los, das Gerenne und Gespringe. Den ganzen Tag geht das dann, bis kurz vor drei. Und in den Stunden erst! Da müsste es ja nun wirklich ruhig sein! Von wegen!
Aber jetzt ist Ruhe?
Im Grunde, ja.
Und Sie genießen Ihren Urlaub.
Naja, wissen Sie, richtig weg kann ich nicht, ich bin eine Immobilie. Und ganz ruhig ist es auch nicht. Sie machen Grundreinigung, du liebe Güte. Nichts bleibt an seinem Platz, alles wird ausgeräumt, die Stühle, die Tische, alles muss raus aus den Räumen, die Flure quellen über! Ein Zirkus jedes Jahr! Dann wird es wieder hineingeräumt, alles. Und das in jeder Etage!

Die Schulbänke mit ihrer Zirkusnummer: 1, 2, 3 übereinander!
Die Stühle nur so: Allez hopp! Et voilà: Acht übereinander!

Also kein Urlaub.
Nein, kein Urlaub. Und Kinder sehe ich nur von weitem, gegenüber im Hort. Wie sie spielen und lachen. Zum Essen kommen sie kurz vorbei, das ist alles, ein paar Minuten.
Ein paar Minuten Ruhestörung.
Ich will Ihnen mal was sagen, da gegenüber, da ist der Friedhof, da haben Sie Ihre Ruhe! Was ich hier brauche, auf der anderen Straßenseite, ist Leben! Leben, das summt und quietscht, das rumort und vibriert, das kreischt und jubelt. Klar, manchmal übertreibt es einer, aber Leben macht Krach, das ist so. Jede Fabrik macht Geräusche! Der Regen macht Geräusche, der Wind. Und Kinder sollen stille sein? Was gibt es denn Schöneres, als wenn auf zwanzig „Hä?“ siebzehn „Ah!“ folgen!
Ich dachte, Sie vermissen die Ruhe!
Das wollten Sie mir einreden! Wissen Sie, wenn es in einem meiner Räume mal ganz ruhig ist, dann stimmt was nicht! Entweder schreiben sie einen Test, schrecklich, oder es ist Ausfall, noch schrecklicher! Ich meine, kein Hä – kein Ah, ist doch so. Und die sogenannten Ferien, was ist das anderes als sechs Wochen Ausfall!
Sie freuen sich nicht darauf?
Wenn morgens niemand kommt, wozu stehe ich dann hier in der Spechthausener Straße? Was bin ich ohne die Kinder, die Jugendlichen? 3.000 Quadratmeter Leerstand bin ich. Ferien?! Die sind hoffentlich bald vorbei!

Geleerter Lehrraum.