Was wünschen sich Kinder von einem Zauberer? „Dass es möglichst lange geht“, sagt Lotte, „damit wir weniger Unterricht haben.“ „Krasse Zaubertricks“, fügt Nike hinzu. Die Aula ist pickepackevoll, zum zweiten Mal an diesem Tag. Schlag 10 Uhr: Die Bühne betritt jetzt der Magier Hieronymus in schwarz-glänzendem Anzug, Zylinder auf dem Kopf, und lässt den Zauberstab tanzen – bis er davonfliegt (der Zauberstab). So knackig wird er viele seiner Tricks präsentieren; man kommt kaum mit dem Staunen hinterher, geschweige mit dem Applaudieren.
„Morjen“, begrüßt Hieronymus sein Publikum mit gespielter Bärbeißigkeit, die aber manchen Schüler im Publikum irritiert: Hat der schlechte Laune? Hat er nicht. Er würde sich jetzt kurz vorstellen. Die Spannung im Publikum knistert. „Das reicht“, findet der Zauberer, der sich, nun ja, gerade vor das Publikum gestellt hat. „Kinder kann man nicht verblüffen“, sagt der Zauberer nach der Show, „da muss man visuelle Sachen bringen.“ Dann lässt er ein paar Dollar springen – was für ein dollar Trick! Weil er aber in einer Schule zu Gast ist, erklärt der Magier immer wieder seine Zauberei. Bei der Verwandlung eines 10-Euro-Scheines in einen 100-Euro-Schein durch Ein- und Ausfalten ist das Wichtigste? „Das Gegenpusten!“ „Den Trick muss er mir beibringen“, wird Frau Rüppel nach der Vorstellung verlangen. Die Kinder bringen es anders auf den Punkt. Immer wieder tönt ein volles „Hä?!“ aus hundert Kehlen. Von wegen, Kinder kann man nicht verblüffen. Vielarmig wirft die Aula unsichtbare (weiße!) Punkte auf das blaue Punktesammeltuch, das prompt mit (selbstverständlich) weißen Punkten gepflastert ist. Hä?!

„Kinder sind anders heute“, sagt der Entertainer, der zuletzt vor 25 Jahren für Kinder gezaubert hatte, „sie zeigen heute, wenn es ihnen nicht gefällt.“ Dann darf Rieke auf die Bühne kommen. „Ich sollte den ungelösten Zauberwürfel lösen“, sagt sie, „aber dann war er schon gelöst, als er aus der Tüte kam!“ „Den Trick kenn ich“, ruft einer der von Hieronymus so genannten Schlaumeier im Publikum. Aber Rieke weiß es besser: „Die Tüte war LEER!“. Applaus für das Zauberkind! In der Aula steigt die Stimmung, als Hieronymus jetzt Magie ins Spiel bringt: Mittels einer Flasche Maggi, erst klein, dann groß, dann Schlangenflöte (hä?!), erklärt der Magier noch einen Trick, bei dem ein Ei, ein Salzstreuer und tiefe, tiefe Hosentaschen … aber was ist das? Die Show ist aus! Aus, vorbei? So wie „zurück in den Unterricht“? „Zu-ga-be!“, ruft der Saal, als hätte Lotte ihn verzaubert. Lieber noch ein Kunststück als Seite 11 im Arbeitsheft. „ZU! GA! BE!“, jubelt der Saal auch nach der Zugabe. Und Hieronymus? Nun, der ist selbst verzaubert – von der Schulleitung ganz offenbar. Ward nicht Herr Zaumseil noch gesehen? Jedenfalls, Hieronymus schickt Hunderte von Kinder aus dem Saal (ein paar Glückliche sichern sich noch Autogramme) und verwandelt – letzter Hammer-Trick – ein entzücktes und begeistertes Publikum zurück … in eine leidlich lernwillige Schülerschar. Chapeau Claque!
